Von Umweltbildung bis BNE
Einführung
Umweltbildung, Naturbildung, Umweltpädagogik, Nachhaltigkeitsbildung, Klimabildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die Vielfalt der Begriffe spiegelt die Vielfalt der Themen und dabei auch eine gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte wider. Das gemeinsame Ziel: Menschen zu befähigen ihre Umwelt zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.
Wer noch mehr über bestimmte Begriffe unserer Arbeit lesen möchte, findet unter Wörterbuch ein Glossar und Hintergrund-Infos zu vielen Fachbegriffen aus der Natur-, Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsbildung.
Geschichte
Umweltbildung im Wandel der Zeit:
Bis in die 70er Jahre war Umweltbildung vor allem Naturerleben und Heimatkunde: Kennen- und Verstehenlernen der heimischen Tier- und Pflanzen-Arten, Zusammenhänge vermitteln und eine emotionale Verbindung mit der Natur herstellen.
Historisch sind viele Projekte der Berliner Umweltverwaltung in den 90er Jahren unter dem Sammelbegriff der Umweltbildung gestartet, der viele unterschiedliche Ansätze in sich vereint. Je nach thematischen Schwerpunkten wird auch von Natur-, Klima-, oder Nachhaltigkeitsbildung gesprochen. Alle gemeinsam verfolgen das Ziel, Wissen, Einstellungen und Haltungen zu vermitteln, die es ermöglichen, sich mit den Folgen des eigenen Handelns für Natur und Umwelt zu beschäftigen, ein Bewusstsein für die Mitverantwortung gegenüber der Natur, anderen Menschen, folgenden Generationen und unserem Planeten zu entwickeln sowie zu einer nachhaltigen und umweltgerechten Entwicklung Berlins beizutragen.
[Quelle: >> SenMVKU – Umweltbildung/BNE]
Umwelterziehung / Umweltbildung
Auf der UNESCO Konferenz in Tiflis 1977 wurde „Umwelterziehung“ als lebenslanger Prozess definiert und mit globaler Perspektive betrachtet. Vor dem Hintergrund vielfältiger Umweltprobleme wie z.B. Luft- und Wasserverschmutzung, Ozon und Atomkraft wird ein stärker interdisziplinärer Ansatz für Umweltbildung formuliert:
„Das zentrale Anliegen der Umwelterziehung ist es, durch interdisziplinäre
[Quelle: Zitiert nach >> Matthias Bahr: Umweltbildung, in: Potsdamer geographische Praxis, S.74-78, hier: S. 74, 2013]
Zusammenarbeit bzw. zumindest durch frühzeitige Koordination der einzelnen
Unterrichtsfächer eine praxisorientierte, auf die Lösung von Umweltpro-
blemen gerichtete Erziehung zu erreichen oder zumindest den Schüler durch
die Unterweisung in Mitbestimmungsprozessen besser für die Teilnahme an
der Lösung von Umweltproblemen vorzubereiten“ (UNESCO-Kommissionen
1979: 59).
Die Fachkonferenz Umweltbildung aus der Schweiz definiert 2025 den Handlungsfelder und Ziele ihres Fachgebiets so:
„Umweltbildung beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Im Zentrum steht die Förderung der Handlungsbereitschaft und die Befähigung des Menschen zum respektvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen im Spannungsfeld von individuellen und gesellschaftlichen, lokalen und globalen sowie ökonomischen und ökologischen Interessen. […]
Ohne intakte Biosphäre kann es keine zukunftsfähige, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung geben. Die Ziele von Umweltbildung decken sich somit weitgehend mit denjenigen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung, mit dem einzigen Unterschied einer Fokussierung auf die ökologischen Aspekte. Bildung für Nachhaltige Entwicklung braucht neben Umweltbildung weitere Bildungsperspektiven (z. B. das Lernen über globale Zusammenhänge oder nachhaltige Wirtschaftspraktiken, Friedenspädagogik usw.)“
[Quelle: >> Grundlagenpapier „Umweltbildung“ (2025), Fachkonferenz Umweltbildung | CH-3000 Bern, Seite 4]
Nachhaltige Entwicklung
Mit dem Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Siehe auch: >> „Brundtland-Bericht“, 1987) entstand das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Nachhaltigkeit wurde erstmals als Entwicklung verstanden, die die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden.
Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (1992) wurde Bildung als zentrale Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung anerkannt. Daraus entwickelte sich international das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Mit der Verabschiedung der Agenda 2030 und den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen („Sustainable Development Goals“, SDGs) erhielt BNE eine noch größere Bedeutung. Im SDG 4 wird ausdrücklich gefordert, allen Menschen Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung zu vermitteln. (Siehe auch: >> Nachhaltige Entwicklung als Handlungsauftrag).
BNE
BNE ist heute der international anerkannte Bildungsansatz der >> UNESCO. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, nachhaltige Entwicklung aktiv mitzugestalten. Dabei werden ökologische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte gemeinsam betrachtet.
BNE fördert insbesondere Kompetenzen wie:
- vernetztes Denken
- Perspektivwechsel
- kritisches Reflektieren
- Kooperation
- Zukunftsgestaltung
- demokratische Teilhabe
- verantwortungsvolles Handeln
Schon Umweltbildung hatte wichtige Schnittmengen zur politischen Bildung. Bildung für nachhaltige Entwicklung erweitert diese noch, da ökonomische und soziale Fragen zusammen mit ökologischen Perspektiven bearbeitet werden. Die drei Säulen nachhaltiger Entwicklung Ökologie, Ökonomie und Soziales sind dabei in sich immer wieder kontrovers und somit mit den Mitteln politischer Bildung einerseits gut bearbeitbar, anderseits mit allen wichtigen Politikfeldern verbunden. Auf der praktischen Ebene zeigt sich dies beispielsweise am Thema regenerative Energien, mit dem Umweltgefahren und Klimafragen genauso angesprochen sind, wie Produktionsweisen und Beschäftigung.
[Quelle: >> Bernd Overwien: „Umwelt und nachhaltige Entwicklung“, Bundeszentrale für politische Bildung, 19.03.2015]
Natur-, Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsbildung, NUK+N
Natur-, Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsbildung ergänzen sich. Sie schaffen Wissen, fördern Naturerfahrungen und eröffnen Möglichkeiten, gemeinsam an einer lebenswerten Zukunft mitzuwirken – ganz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Als Koordinierungsstelle im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf arbeiten wir lokal und praxisorientiert, mit allen Akteur:innen die sich mit unseren Bildungsthemen beschäftigen, und sich mit unserer Arbeitsweise und dem Leitbild identifizieren können. Dabei verstehen wir Natur- und Umweltbildung als eine Säule von Bildung für nachhaltige Entwicklung, und stärken wo wir können die ressortübergreifende, interdisziplinäre Arbeit. Dafür arbeiten wir eng mit der >> Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung (SBNE) im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zusammen, die bereits seit 2019 die Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler Ebene fördert:
Kommunen wie der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf tragen bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele eine entscheidende Rolle, da wir im engen Austausch mit den Bürger:innen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen bestehende und sich neuentwickelnde Projekte und Transformationsprozesse fördern können. Unser Ziel ist es, regionale nachhaltige Entwicklungen und Projekte zu stärken, um globale Herausforderungen gemeinsam zu lösen.
[Quelle: >>Agenda 2030: Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung (SBNE)]
Handlungsfelder von BNE
Es gibt viele unterschiedliche Versuche und Ansätze, die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele zu gruppieren, priorisieren oder in Relation zu setzen. Da alle Ziele miteinander verknüpft und häufig voneinander abhängig sind, lässt sich so eine Einteilung in der Regel nur relativ betrachten – also in bewusster Abhängigkeit der eigenen Perspektive.
So gibt es bspw. das sogenannte Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, mit den Themenfeldern „Ökonomie“, „Kultur“ und „Soziales“. Mehr dazu könnt ihr im >> Lexikon der Nachhaltigkeit lesen.
Das Land Berlin hat mit der >> Berliner Nachhaltigkeitsstrategie 2026 verschiedene „Transformationsfelder“ definiert, in denen die SDGs ressortübergreifend zugeordnet werden. Hier werden in den Handlungsfeldern „Menschliches Wohlergehen“, „Teilhabe und gesellschaftlicher Fortschritt“, „Resilienter Lebensraum der Zukunft“, „Nachhaltige Wirtschaft, Finanzen und Konsum“, „Infrastruktur und Mobilität“ sowie „Nachhaltige Berliner Verwaltung“ jeweils übergreifende Ziele definiert und Fachstrategien und Maßnahmen in Bezug auf die SDGs gesetzt.
Die hier abgebildete Grafik setzt die SDGs in Relation in drei Handlungsfeldern, ganz ähnlich dem erweiterten Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit. Der Gedanke dahinter: Die Bioshpäre bildet die Grundlage unserer Gesellschaft – und ohne die natürlichen Lebensgrundlagen können wir nicht leben. Hierzu gehören zum Beispiel die Ziele der SDGs 6, 13, 14, 15. Die soziale Ebene ist der Kern unserer Gesellschaft, die SDGs 1, 2, 3,4, 5, 7, 11 und 16 werden hierzu gezählt. Darauf baut unser Wirtschaftssystem auf, die Ökonomie. Ohne das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft, die grundlegende Bedürfnisse aller Menschen sichert, und außerhalb der >>planetaren Grenzen, ist auch kein ökonomischer Fortschritt möglich. In das Handlungsfeld Wirtschaft zählen die SDGs 8, 9, 10 und 12.
Heute: Der Masterplan BNE für Berlin
2024 begann der partizipative Prozess, um einen Masterplan BNE für Berlin zu entwickeln. Das Ziel: Bildung für nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit Akteur:innen und Verwaltung zu fördern und auf allen Bildungsebenen zu verankern, um die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in Berlin umzusetzen. Damit schließt der Masterplan BNE an bisherige Konzepte wie das Bildungsleitbild für ein grünes und nachhaltiges Berlin, die Berliner Strategie zur biologischen Vielfalt oder die Berliner Nachhaltigkeitsstrategie an. Künftig sollen noch stärker auch soziale, kulturelle und politische Bildung im Sinne der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) behandelt werden.
Partizipativer Prozess:
Besonders hervorzuheben ist das Engagement der vielen lokalen Initiativen, die durch ihre praktische Arbeit wesentliche Impulse für den Masterplan liefern. Ihre Expertise und Erfahrungen fließen direkt in die Strategieentwicklung ein. […] Bildung für nachhaltige Entwicklung soll strukturell in der Berliner Bildungslandschaft verankert werden. Dazu ist neben der Umsetzung eine prozesshafte Weiterentwicklung des Masterplans unter Beteiligung verschiedener Perspektiven geplant.
[Quelle: >> SenMVKU: Masterplan BNE]
Auf dem Weg zum Masterplan BNE wurden bereits mehrere Workshops und Beteiligungsveranstaltungen mit Akteur:innen der Berliner Bildungslandschaft, sowie mit Vertreter:innen der Verwaltung aus den Bezirken und dem Land Berlin durchgeführt. Die Koordinierungsstellen für Natur-, Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsbildung (NUK+N) der Bezirke haben als Netzwerk NaturStadt Berlin regelmäßig daran teilgenommen und ihre Perspektiven und Erfahrungen eingebracht. Für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat außerdem die Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beirat zum Masterplan BNE teilgenommen und ihre langjährige Erfahrung aus der Praxis im Bezirksamt geteilt.
Aktueller Stand:
Am 28.08.2026 wurde der aktuelle Entwurf zum Masterplan BNE mit den formulierten Handlungsfeldern und Maßnahmen den Beteiligten vorgestellt. Derzeit fehlt jedoch noch die Verabschiedung des Masterplans durch einen Senatsbeschluss, weshalb inhaltlich noch nichts aus dem Papier veröffentlicht werden kann. So sind derzeit noch viele Fragen zur Umsetzung offen. Gerade in der Praxis werden viele der formulierten Ziele durch die aktiven Akteur:innen und engagierten Pädagog:innen im Bezirk aber bereits bearbeitet, und wir unterstützen als Koordinierungs- und Netzwerkstelle jederzeit wo wir können. Dazu brauchen wir aber auch die Unterstützung aus dem Senat.





