Stadtnatur
Was ist Stadtnatur:
>> Stadtnatur umfasst die vielfältigen Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen innerhalb der Stadt. Dazu gehören Parks, Wälder und Gewässer, Friedhöfe, Kleingärten und Gemeinschaftsgärten sowie begrünte Höfe, Dächer und Fassaden. Auch kleine und miteinander verbundene Lebensräume wie zum Beispiel Baumbeete können zur biologischen Vielfalt, zum Stadtklima und zur Lebensqualität beitragen.
Mehr: Viele Orte der Stadtnatur findet ihr auf unserer Karte der Umweltbildung!
Öffentliche Grünflächen, Wälder und landwirtschaftliche Flächen zusammen machen etwa 1/3 der Fläche Berlins aus. Warum sprechen wir also überhaupt darüber, Stadtnatur zu fördern und zu schützen?
>> Öffentliche Grünflächen und der Zugang dazu sind natürlich nicht gleichmäßig über die Stadt verteilt (Mehr: Umweltgerechtigkeit) und an vielen Orten ist Stadtnatur gefährdet: Durch Baumaßnahmen (z.B. für Straßen oder ÖPNV Ausbau oder auch zur Schaffung von Wohnraum) oder weil sie unter dem Klimawandel leiden.
Straßenbäume
Straßenbäume sind ein wichtiger Teil der Stadtnatur: Mehr als >> 439.000 Straßenbäume stehen (Stand Ende 2025) in unserer Stadt und spenden Schatten, bieten Lebensraum für Wildtiere und verbessern die Luftqualität.
Das >> Berliner Klimaanpassungsgesetz wurde am 07. November 2025 verabschiedet. Damit hat der Erhalt und Ausbau von Stadtnatur eine gesetzliche Grundlage als Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel erhalten. Vorgesehen sind zum Beispiel der Erhalt und die Neupflanzung von Bäumen, Maßnahmen zur Kühlung und ein klimaangepasstes Regenwassermanagement. Für Hitzeviertel legt das Gesetz konkrete Ziele fest: Auf jeder Straßenseite und auf ausreichend breiten Mittelstreifen soll im Durchschnitt mindestens alle 15 Meter ein gesunder oder gepflegter Straßenbaum stehen. Damit werden Straßenbäume als Teil der städtischen Klimaanpassungsinfrastruktur betrachtet. Auch die aktuelle >> Klimarisikoanalyse (2026) nennt den Erhalt und Ausbau von Grünflächen sowie die klimaangepasste Gestaltung der Berliner Stadtnatur als notwendige Handlungsfelder.
Straßenbäume unter Druck:
Straßenbäume gehören also zu den wichtigsten Bestandteilen der >> Berliner Stadtnatur. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung, binden Feinstaub, speichern Kohlendioxid und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Gerade in dicht bebauten Kiezen helfen sie, die Folgen des Klimawandels wie zunehmende Hitzesommer abzumildern. Wenn Straßenbäume für Bau- oder Infrastrukturprojekte gefällt werden sollen, geht genau die grüne Infrastruktur verloren, deren Erhalt das Klimaanpassungsgesetz stärken soll.
Die Zahl der >> Baumfällungen liegt deutlich über der Zahl der Neupflanzungen. Im Jahr 2024 wurden berlinweit 5.280 Straßenbäume gefällt, während lediglich 2.571 nachgepflanzt wurden.
Allerdings sind sogenannte Ersatzpflanzungen in der Regel nicht am selben Ort und häufig nicht einmal in der Nähe praktisch möglich, und ein 1:1 Ersatz wäre im Hinblick auf die gewünschten Ökosystemleistungen nicht ausreichend. Ein neu gepflanzter Baum ersetzt die Leistungen eines alten Straßenbaums erst nach Jahrzehnten. Große Kronen spenden deutlich mehr Schatten, verdunsten erheblich mehr Wasser und speichern wesentlich mehr Kohlenstoff als junge Bäume. Nachpflanzungen sind zwar notwendig, können den Verlust alter Bäume jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Dabei würde selbst eine 1:1-Nachpflanzung nicht reichen, schließlich brauchen Bäume Jahre und Jahrzehnte, bis sie all das leisten, was wir von ihnen erwarten: Luft filtern, durch Verdunstung und Verschattung Temperaturen senken, CO2 speichern und nicht zuletzt Tausenden Arten von Vögeln, Säugetieren, Insekten und Pilzen ein Zuhause geben. Außerdem überstehen längst nicht alle Jungbäume die ersten kritischen Jahre. Gerade Straßenbäume sind von Streusalz über Baustellen ohne Baumschutz bis zu Hundeurin vielen Stressfaktoren ausgesetzt.
[Quelle: BUND >> Lasst die Sägen schweigen]
Natürlich benötigt Berlin mehr (bezahlbaren) Wohnraum, einen nachhaltigen ÖPNV und andere Modernisierungsmaßnahmen. Bei der Genehmigung von Baumfällungen wird aber viel zu oft der hohe Wert des Stadtgrüns nicht berücksichtigt, und diese Zielkonflikte auf Kosten der Straßenbäume entschieden.
Deshalb engagieren sich Anwohner:innen und Initiativen sowie Verbände an vielen Orten in Berlin für den Erhalt von Straßenbäumen, die für Baumaßnahmen gefällt werden sollen.
Aktuelle Beispiele
Spreebord auf der Mierendorff-INSEL
Zu den aktuellen Konflikten gehört neben der >> Torstraße in Mitte, dem >> Tempelhofer Damm, dem >> S-Bahnhof Wuhletal, das >> Amtswäldchen in Köpenick, und weiteren auch das Spreebord auf der Mierendorff-INSEL in Charlottenburg.
Für die Modernisierung des >> Heizkraftwerks Charlottenburg sollen nach aktuellen Planungen des landeseigenen Betriebs BEW zehn große Rosskastanien am >> INSEL-Rundweg gefällt werden, um Platz für die temporäre Einrichtung von Baustellencontainer zu schaffen. Gegen diese Planung haben sich Anwohnende, Umweltinitiativen und die Bezirksverwaltung ausgesprochen. Zwischen Senat und Bezirk besteht (wie z.B. auch in der Torstraße) Uneinigkeit darüber, wer eine Genehmigung für die Baumfällung aussprechen darf. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat zuletzt der BEW recht gegeben und die Baumfällungen >> genehmigt. Vor dem Hintergrund des Klimaanpassungsgesetzes und der Klimarisikoanalyse für Berlin ist die Fällung von gesunden Stadtbäumen für nur zeitweise genutzte Baustellencontainer dennoch >> fragwürdig: Der >> Bezirk fordert eine politische Lösung.
Dabei bleiben die 10 Rosskastanien nicht alleine. Die Stadtteilkoordination der Mierendorff-INSEL hat aktuelle Bauvorhaben und ihre Auswirkungen auf die Stadtnatur untersucht. Demnach sind noch viel mehr Straßenbäume durch Baumaßnahmen gefährdet. Für die geplante Ufersanierung auf der Mierendorff-INSEL bis zu 91 Bäume, außerdem weitere 34 Bäume im >> Schlosspark Charlottenburg, bis zu 53 Bäume für die geplante Verlängerung der >> Tramlinie M10 und weitere für die Siemensbahn. Insgesamt sind also in nächster Umgebung sehr viele Bäume durch Infrastrukturprojekte gefährdet. Diese lassen sich vor Ort nicht ausreichend ersetzen, dabei zeigt das lokale Klimaanpassungskonzept für die südliche Mierendorff-INSEL so wie auch die Hot-Spot-Karte der Klimarisikoanalyse bereits jetzt urbane Hitzeinseln und einen Mehrbedarf an Stadtgrün im Kiez.
Nach Protesten aus der Nachbarschaft und Intervention des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf wurden die >> Fällungen der Rosskastanien am Spreebord Anfang Juli 2026 vorerst >> gestoppt. Dabei wurden die Bäume jedoch bereits beschädigt und drei Kastanien gefällt. Ende September 2026 wurden schließlich auch die verbleibenden 7 Bäume gefällt.
Möglichkeiten zum Engagement
Der Schutz von Straßenbäumen und Stadtnatur lebt nicht nur von politischen Entscheidungen, sondern auch vom Engagement der Stadtgesellschaft. Wer sich engagieren möchte, sollte die >> Beteiligungsverfahren des Berliner Senats sowie der Bezirksämter verfolgen. Gerade bei Straßenumbauten, Infrastrukturprojekten und Bebauungsplänen besteht häufig die Möglichkeit, Stellungnahmen einzureichen oder sich im Rahmen öffentlicher Beteiligungen einzubringen.
Engagement Online:
- BUND Berlin: Petition >> Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!
- Campact.de: Petition >> Mierendorff-Insel: Keine Baumfällungen auf Vorrat! | WeAct
- Change.org: Petition >> gegen die Baumfällung am Tempelhofer Damm
- Deutsche Umwelthilfe: Petition >> Bäume retten Leben: Petition für mehr Stadtgrün und Hitzeschutz
Engagement vor Ort:
- Einfach-beeten.de: Baumbeete für Klimaanpassung und biologische Vielfalt
- BaumEntscheid Berlin: >> Alle Infos rund um Baumfällungen in Charlottenburg-Wilmersdorf
- Baumpatenschaften Charlottenburg-Wilmersdorf >> Privates Engagement – Berlin.de
- Lokale Klima- und Nachbarschaftsinitiativen wie z.B. die Nachhaltige Mierendorff-INSEL, Klima-AG Klausener Platz, oder über die Stadtteilkoordination in eurer Nachbarschaft.




