Regentonnen

Alle Infos auf einen Blick:
Was?
Regentonnen sammeln Regenwasser von den Dächern unserer Häuser. Über einen Anschluss am Fallrohr der Regenrinne wird Wasser gerettet, das sonst direkt in die Kanalisation abfließen würde.
Mitmachen!
Direkt loslegen: Hier findet ihr unseren Leitfaden Regentonnen >> In vier Schritten zur Gehweg-Regentonne, und hier geht es zur Seite >> Regentonnen im öffentlichen Straßenland vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.
Warum?
Regentonnen sind eine Möglichkeit, unseren Bezirk für den Klimawandel fit zu machen. Nach dem Schwammstadt-Prinzip wird kostbares Regenwasser lokal gespeichert. So wird bei Starkregen ein Überlaufen der Mischwasserkanalisation verhindert. Das schützt auch unsere Gewässer vor Verschmutzung.
Bei Trockenheit kann das Wasser direkt vor Ort genutzt werden. Straßenbäume und Hinterhöfe können ressourcensparend bewässert werden und einen wichtigen Beitrag für ein gesundes Stadtgrün leisten.
… mehr Lesen: >> Schwammstadt-Prinzip
Geheimtipp:
Regentonnen gleich mit einer (oder mehr) Baumpatenschaften verbinden! Als Baumpat:innen könnt ihr die Baumscheiben von Straßenbäumen bepflanzen und die biologische Vielfalt stärken. Die Pflanzen werden das Wasser aus euren Regentonnen lieben! So können engagierte Nachbarschaften zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung und besserer Klimaanpassung im öffentlichen Raum beitragen.
… mehr Lesen: Themenseite Baumscheiben
Mitmachen
Selbstgemacht!
Berlins erste zwei Gehweg-Regentonnen wurden schon 2023 von der Initiative Fritschestraße mit finanzieller und tatkräftiger praktischer Unterstützung der Initiative Wassertanke in unserem Bezirk aufgestellt. Mittlerweile gibt es in mehreren Berliner Bezirken Gehweg-Regentonnen, und wir arbeiten mit vielen Initiativen, unseren Kolleg:innen der Koordinierungsstellen und engagierten Mitarbeitenden der Verwaltung in den Bezirksämtern gemeinsam daran, damit es immer mehr werden.
Weitere Infos findet ihr zum Beispiel hier:
- Zur Ansicht: Gehweg-Regentonnen: Sondernutzung in Friedrichshain-Kreuzberg (Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf arbeitet derzeit an einer entsprechenden Übersicht).
- Initiative Wassertanke.org: Pionier:innen auf dem Gebiet der Gehweg-Regentonnen. Inklusive Video und FAQ!
- Bei der Berliner Regenwasseragentur findet ihr zum Beispiel weiterführende Informationen auch für Hauseigentümer:innen zum Thema Regenwassernutzung.
- Hier im Blog der Fritschestraße könnt ihr zum Beispiel mehr über die Regentonnen erfahren – inklusive Video der „Berlin gärtnert“ Kampagne des Berliner Senats! Die Nachbar:innen der Fritschestraße sind seit vielen Jahren aktiv in ihrem Kiez und erkunden ganz praktisch verschiedene Möglichkeiten, sich für Klimaanpassung und Biologische Vielfalt zu engagieren.
Wenn ihr jetzt auch dabei sein wollt, könnt ihr euch an diesen vier Schritten auf dem Weg zur Regentonne vor dem eigenen Haus orientieren:
Leitfaden Regentonnen

1) Standort bestimmen:
- Wo soll die Regentonne stehen: im Innenhof oder auf dem Gehweg?
- Die Regentonne darf nicht mehr als 90cm in den Gehweg hineinragen
- Der Gehweg muss noch über eine Breite von mindestens 2,50m für Fußgänger verfügen
- Öffentliche Anlagen wie Feuermelder, Kabelschächte, Hydranten o.ä. müssen jederzeit zugänglich bleiben.

2) Welches Modell darf es denn sein?
Es gibt viele verschiedene Anbieter:innen für unterschiedliche Modelle. Welche Größe / Volumen soll die Regentonne haben? Es gibt bei der Berliner Regenwasseragentur auch einen Online-Rechner zur Bestimmung der geeigneten Speichergröße.
Bei der Auswahl der Speichergröße (und vielleicht auch als Argument in der Nachbarschaft oder bei der Hausverwaltung!) könnt ihr ausrechnen, ob ihr unter Umständen in den Genuss einer reduzierten Niederschlagswassergebühr kommt durch das Speichern von Regenwasser. Zusammengefasst: Die Berliner Wasserbetriebe BWB gewähren einen Rabatt von 10% auf die sogenannte Niederschlagswassergebühr, ab 20 Liter Volumen pro Quadratmeter Dachfläche. Details, Quellen und eine Beispielrechnung haben wir euch hier verlinkt: Beispielrechnung Niederschlagswassergebühr.
Am Ende dieser Seite geben wir auch noch einige allgemeine Infos zur >>Finanzierung von Regentonnen.
In Berlin stehen schon einige Regensäulen der Firma Speidel (Erfahrungswerte z.B. aus Charlottenburg-Wilmersdorf von der Initiative Fritschestraße und der Nachhaltigen Mierendorff-INSEL, aber wir sprechen hier keine Kaufempfehlung aus – Bitte informiert euch anhand eurer Bedürfnisse!). Weitere Regentonnen-Modelle gibt es z.B. in vielen bekannten Baumärkten oder auf der Website https://www.regenspeicher.de/regentonnen.
Sucht euch Verbündete in eurem Kiez. Sprecht mit euren Nachbar:innen, Kleingewerbe oder nehmt Kontakt zur Stadtteilkoordination oder Kiez-Initiative auf, um Mitstreiter:innen zu finden. Wenn ihr in eurem Kiez noch keine passende Gruppe gefunden habt, könnt ihr auch uns um Unterstützung bitten: Beratung. Manchmal haben Eigentümer:innen Bedenken, dass sich Mieter:innen nicht langfristig engagieren. Wenn sich mehr als eine Person die Verantwortung für eine Regentonne gemeinsam teilen, kann eine starke Nachbarschaft ein gutes Argument sein.

3) Papierkram:
Wenn die Regentonne im Hof (oder anderswo auf privatem Grund) stehen soll, braucht ihr nur die Genehmigung der Eigentümer:in. Für Gehwegtonnen (also im öffentlichen Raum) braucht ihr außerdem eine Genehmigung des Bezirksamtes.
- Einwilligung der Eigentümer:in, der bevollmächtigten Hausverwaltung oder Eigentümer:innengemeinschaft für Fallrohr-Nutzung und ggf. Fassadenbohrung für die sichere Befestigung der Tonne.
- Bei Gehwegtonnen: Formloser Antrag beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Bitte sendet euren Antrag auf Sondernutzung an die Abteilung Ordnung, Umwelt, Straßen- und Grünflächen, zu Händen Herr Cocco. Nennt dabei bitte die Adresse, verantwortliche Ansprechperson(en), Modell der gewünschten Tonne und fügt eine Skizze & Fotos des geplanten Standortes und die Einwilligung der Eigentümer:innen an. Alle Anforderungen findet ihr im Link. Die Anträge werden zur Zeit immer befristet bewilligt. Im Anschluss könnt ihr einen Antrag auf Verlängerung stellen. Wir unterstützen euch gerne mit Tipps oder Vorlagen, wenn ihr hier noch Fragen habt.
- Außerdem unter Umständen: Einwilligung der unteren Denkmalbehörde, falls die Fassade oder Gebäude unter Denkmalschutz steht.
4) Installation: Es werde Schwammstadt!
Wenn alle Formalitäten erledigt sind, könnt ihr die Regentonne und Zubehör (Regensammler, Wasserhähne etc.) bestellen und durch eine Fachperson (z.B. Sanitär- / Klimatechnik, oder auch Dachdecker:innen) aufstellen und anschließen lassen.
Wir haben in der Vergangenheit bereits gut mit Outra.Studio zusammengearbeitet, es gibt aber viele kompetente Fachmenschen in eurem Kiez, die ihr dazu ansprechen könnt.
Pflege und Verantwortung
Wichtig zu wissen:
Pflege und Verantwortung für die Regentonne liegt bei der Eigentümer:in der Tonne. Der Berliner Senat hat einige Vorgaben zur Aufstellung von Regentonnen im öffentlichen Raum (Gehweg-Regentonne) festgelegt:
Die Regentonne soll temporär installiert sein und im nötigen Fall abgebaut werden können. Sie muss aber direkt an der Hauswand standsicher befestigt sein.
Die Tonne muss so verschlossen sein, dass kein Müll, Insekten o.ä. in die Regentonne gelangen können. Sie muss durch einen sogenannten Regensammler mit Überlaufschutz am Fallrohr angeschlossen sein, der dafür sorgt, dass, wenn die Tonne voll ist, das nachströmende Regenwasser im Fallrohr verbleibt.
Der Hinweis „Kein Trinkwasser“ muss gut sichtbar in der Nähe des Wasserhahns angebracht sein.
Hintergrund
Schwammstadtprinzip
Der Klimawandel führt zu wachsenden Herausforderungen für die innerstädtische Infrastruktur. Schäden durch die Zunahme von Hitze und Trockenheit sowie Starkregen können durch Maßnahmen der Stadtentwicklung nach dem Schwammstadt-Prinzip reduziert werden. Dieses Ziel hat Berlin schon 2016 im ‚Programm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels‘ (AFOK) verschriftlicht. Im ‚Bezirklichen Anpassungskonzept an die Folgen des Klimawandels‘ (BAFOK) wurden entsprechende Maßnahmen zur Erreichung der gesetzten Ziele durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf für den Bezirk konkretisiert.
Regentonnen als Maßnahme der wassersensiblen Stadtentwicklung zur Stärkung des Schwammstadt-Prinzips tragen dazu bei, sauberes Regenwasser lokal zu speichern und den Bezirk von der Kanalisation zu entkoppeln. Damit wird einerseits die Gefahr von Überschwemmungen reduziert, und gleichzeitig wertvolles Trinkwasser gespart, da Regenwasser direkt zur Bewässerung von Grünflächen und Straßenbäumen verwendet werden kann, um das Straßengrün ressourcenschonend zu erhalten.
Das Schwammstadt-Prinzip (englisch auch: Sponge-City) ist ein Konzept für die wassersensible Stadtentwicklung. Die Stadt wird so gestaltet, dass sie Regenwasser auffangen, versickern und wie ein Schwamm im Boden speichern kann. Das Risiko für Schäden durch Starkregen wird dadurch gemildert und die Kanalisation entlastet. Bei Hitze wird durch Verdunstung des Wassers über den Boden und Pflanzen die Umgebung gekühlt. Das Regenwasser kann auch zur Versorgung der Straßenbäume, Parks oder begrünter Hinterhöfe verwendet werden, anstatt in der Kanalisation mit Abwasser vermischt und verschmutzt zu werden. So werden kostbare Ressourcen geschützt.
Maßnahmen für diese Form der Klimaanpassung sind meist eine Kombination aus Entsiegelung von Flächen, direkte Möglichkeiten zur Versickerung in Mulden oder Tiefbeeten, dezentrale Wasserspeicher und Grünflächen zur Verdunstung (wie Dach- und Fassadenbegrünung) sowie schattenspendende Stadtbäume und Pergolen. Schließlich lässt sich so auch die Aufenthaltsqualität öffentlicher Flächen und damit das Wohlbefinden aller Stadtbewohner:innen steigern.
Im Berliner Anpassungskonzept an die Folgen des Klimawandels (AFOK) ist das Schwammstadt-Prinzip eines der zentralen Lösungsstrategien für das Handlungsfeld ‚Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft‘. Konkrete Maßnahmen nach diesem Leitbild werden im Bezirklichen Anpassungskonzept für Charlottenburg-Wilmersdorf formuliert, da sich Maßnahmen zur hitzeangepassten und wassersensiblen Stadt in vielen Fällen ergänzen (BAFOK, S.7).
Mehr zum Schwammstadt-Prinzip findet ihr z.B. auf der Webseite der Berliner Regenwasseragentur: Schwammstadt Berlin (extern)
Finanzierung
Fördermittel erkunden: Eine passende Gehweg-Regentonne kostet je nach Größe und Hersteller ca. 300,- €. Die Gesamtkosten inkl. aller Materialien, einer kleinen Verwaltungsgebühr für die Sondernutzung und fachlicher Installation belaufen sich auf ca. 800,- bis 1.000,- €.
Derzeit ist uns kein offenes Förderprogramm bekannt. Es wird jedoch seitens des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg an einem Förderantrag (BENE2) gearbeitet, der es ermöglichen soll, Regentonnen in Berlin kostenfrei oder zumindest kostengünstiger aufzustellen. Hierfür sammeln unsere Kolleg:innen der Koordinierungsstelle für Umweltbildung Friedrichshain-Kreuzberg bereits jetzt Interessent:innen, um sofort informieren zu können, sobald die Mittel verfügbar sind, und schnell in die Umsetzung zu kommen. Tragt euch gern auch in die Liste ein, wenn ihr informiert werden möchtet!
Möglicherweise kommt auch die Beantragung von FEIN-Mitteln (Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften) oder Projektanträge bei der Stiftung Berliner Leben oder Stiftung Naturschutz in Frage.




